Der Müll, der (noch) bleibt

Veröffentlicht am Autor Luise7 Kommentare

Zero Waste, also wirklich gar keinen Müll zu produzieren, ist eine Utopie und etwas, was nicht einmal Bea Johnson, die Gründerin der Bewegung schafft. Was uns Zero Waster eint, ist das Bestreben, so wenig Müll wie irgendwie möglich zu verursachen.

Im letzten Jahr sind wir auf diesem Weg schon ein ganzes Stück weiter gekommen, unser Restmüll ist praktisch nicht mehr existent, der Plastikmüll umfasst nur wenige Gramm pro Monat und auch Altpapier und -glas konnten wir immer weiter reduzieren. Unseren Bio-Müll kompostieren wir in einem Gartenverein bei uns um die Ecke.

Aber auch wir haben einige Dinge in unserem Leben, die ein gewisses Maß an Müll produzieren, auf die wir aber trotzdem (noch) nicht verzichten wollen oder können. Diese wollen wir euch hier einmal zeigen.

 

Medikamente

An dieser Stelle möchten wir natürlich nicht über lebensnotwendige und vom Arzt verordnete Medikamente sprechen. Dass die eigene Gesundheit an erster Stelle stehen sollte und man dafür wohl oder übel mal ein bisschen Plastikmüll in Kauf nehmen muss, ist hoffentlich jedem klar – hier geht es eher um die kleine Wehwechen und Unannehmlichkeiten.

Tabletten in Glasflaschen sind in Deutschland leider ausgesprochen unüblich, Medikamente gegen Kopf-, Magen- und andere Schmerzen werden vor allem in Plastikblistern vertrieben. Wir versuchen natürlich bei kleineren Magenverstimmungen oder Erkältungen erstmal zu Hausmitteln wie Kamillentee oder heißen Zitronen zu greifen, wenn das nicht hilft, kommt aber nach wie vor Ibuprofen oder Pantoprazol zum Einsatz.

 

 

Ein anderes Thema in dem Zusammenhang ist auch noch die Verhütung. Ich nehme seit über 10 Jahren die Pille, die natürlich auch jeden Monat ein bisschen was zu unserem Plastikmüll beiträgt. Ich habe mich immer mal wieder mit alternativen müllärmeren (und hormonfreieren) Verhütungsmethoden auseinandergesetzt, bin aber bisher noch zu keiner Entscheidung gekommen, was für mich eine gute Alternative sein könnte.

 

Kontaktlinsen

Dieses Müllproblem könnte man theoretisch leicht beheben, indem man statt Kontaktlinsen zur Brille greift. Für mich ist es leider nicht ganz so einfach. Zum einen finde ich Brillen einfach unkomfortabel – im Winter beschlägt sie, wenn es regnet hat man die ganzen Tropfen drauf und an der Seite hat man immer diesen Rand, an dem man nicht scharf sehen kann (bzw. gar nichts sehen kann, wenn man -9 Dioptrien hat wie ich). Zum anderen trage ich Kontaktlinsen seitdem ich 15 bin, in meiner eigenen Selbstwahrnehmung bin ich einfach kein Mensch, der Brille trägt. Da ich mich an selbstgemachter Kontaktlinsenlösung nicht ausprobieren möchte (und auch dringend davon abrate), fällt an Müll in diesem Zusammenhang also alle 3 Monate eine Flasche Kontaktlinsenlösung, einmal im Monat die Verpackung der Linsen und alle paar Monate ein neuer Aufbewahrungsbehälter für die Kontaktlinsen an.

 

 

Die einzige Alternative, die mir noch einfällt, wäre eine Laseroperation. Vielleicht mache ich das irgendwann auch tatsächlich mal, im Moment habe ich die 2.000 Euro dafür aber noch nicht in mein Jahresbudget mit eingeplant. 😉

 

Toilettenpapier

Die Toilettenpapierproblematik war eine der ersten, die uns am Anfang unserer Umstellung auf Zero Waste praktisch unlösbar vorkam. Viele Zero Waste Profis sind auf Bidets oder Popo-Brausen umgestiegen – wir haben viel darüber nachgedacht, sind aber einfach noch nicht soweit, uns auf diesen Schritt einzulassen.

Also haben wir alternativ nach der plastik- und müllfreisten Option gesucht. Vor ein paar Monaten kam dann das Bambus-Toilettenpapier von Smooth Panda auf den Markt, das nur in einem Pappkarton verpackt ist. Nach anfänglicher Euphorie kamen dann aber schnell Zweifel auf, wie ökologisch sinnvoll es tatsächlich ist, Bambustoilettenpapier aus China zu verschiffen, nur um ein bisschen Plastik zu sparen. Also stiegen wir auf das Goldeimer-Toilettenpapier um, das zwar in Plastik verpackt, aber aus Recyclingpapier ist und zudem Viva con Agua unterstützt.

 

 

Nachdem mit dem Stückgut der erste Unverpackt-Laden in Hamburg aufgemacht hat, haben sich für uns noch einmal ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Dort wird nämlich Satino Black in einzelnen nur mit Papier umwickelten Rollen verkauft. Das Toilettenpapier trägt die Siegel FSC-Recycled, Cradle to Cradle sowie das europäische Eco-Label. Zudem ist es CO2-neutral in der Herstellung. Nichtsdestotrotz landet die obere Papierschicht im Altpapier und der Rest in der Kanalisation – und zählt somit auch auf jeden Fall zu dem Müll, für den wir noch verantwortlich sind.

 

Einweggläser

Lebensmittel kaufen wir mittlerweile komplett plastikfrei. Einige Sachen – vor allem Milchprodukte – bekommen wir auch in Mehrweg-Gläsern. Es gibt aber nach wie vor Produkte, die wir nur in Einweg-Gläsern kaufen können, dazu zählen beispielsweise vegetarische Aufstriche, Marmelade oder Tomatensoße. Da ich diese Dinge ab und zu auch selbst herstelle, bewahren wir immer ein paar der Gläser zum Wiederverwenden auf oder benutzen sie zum Einkaufen im Unverpackt-Laden. Größere Gläser eignen sich manchmal auch ganz gut als Geschenkverpackungen, beispielsweise für unsere selbstgemachten Badebomben oder Body Bars. Dennoch haben wir mittlerweile so viele Gläser, dass wir einfach nicht alle wiederverwenden können und einige deshalb zwangsläufig im Altglas landen.

 

 

Jetzt, wo wir einen Unverpackt-Laden in der Stadt haben, werden wir unsere übriggebliebenen Gläser in Zukunft dort abgeben, so dass sie von anderen Kunden zum Einkaufen genutzt werden können.

 

Ohropax

Wir sind beide sehr geräuschempfindlich und können ohne Ohropax leider nur schlecht schlafen. Wenn man es seit Jahren gewohnt ist, nur mit Ohrstöpseln zu schlafen, ist es auch gar nicht so einfach, davon wieder wegzukommen. Wir benutzen Ohropax aus Schaumstoff, die zwar mehrfach gewaschen und wiederverwendet werden können, irgendwann müssen sie dann aber doch in den Müll. Alle paar Monate kommt dann auch noch die Plastikverpackung der Ohrstöpsel dazu. Es gibt zwar auch Ohrstöpsel aus Wachs, die bestehen in der Regel aber auch aus Vaseline und Paraffinen (also aus Erdöl) und sind damit leider auch keine wirkliche Alternative.

 

 

Dekorative Kosmetik

Der letzte Punkt unseres noch immer vorhandenen Mülls ist leider allein meiner Eitelkeit geschuldet. Auch wenn ich mich mit meiner dekorativen Kosmetik in den letzten Monaten immer mehr eingeschränkt habe, gibt es doch einige wenige Basics, auf die ich (noch) nicht verzichten kann und möchte.

 

 

Dazu gehören ein Gesichtspuder, ein Puder, das ich für meine Augenbrauen benutze und ein Mascara. Der Mascara hält bei mir etwa 1 Jahr, das Gesichtspuder 6 Monate und das Augenbrauenpuder sogar 2 Jahre. Zudem benutze ich einen Pinsel und ein Bürstchen, die ich schon seit Jahren besitze. Ich habe schon einige Versuche hinter mir, diese Sachen selbst herzustellen und war dabei mal mehr und mal weniger erfolgreich. Für die Lippen benutze ich einen selbstgemachten Lipbalm, den ich entweder pur oder auch mal mit Rote Beete Pulver eingefärbt auftrage. Mascara habe ich nach einem Rezept von Bea Johnson versucht selber herzustellen, war mit dem Ergebnis aber leider alles andere als zufrieden. Als nächstes werde ich mich an selbstgemachtem Gesichts- und Augenbrauenpuder versuchen, das Ergebnis könnt ihr dann bald hier nachlesen. 😉

 

Fazit

In den letzten Monaten haben wir unseren Müll wirklich drastisch reduziert und produzieren nur noch ein Bruchteil dessen, was der Durchschittsdeutsche jeden Tag so in die Tonne wirft. Dennoch sind auch wir noch nicht bei „Zero Waste“ angelangt und haben immer noch kleine „Müllbaustellen“ an denen wir arbeiten. Aber auch für diese wollen wir in den nächsten Wochen und Monaten Lösungen und Alternativen finden.

Was sind eure Müllbaustellen?

 

 

7 Kommentare zu Der Müll, der (noch) bleibt

  1. und wenn wir noch weiter müll produzieren ist das auch nicht der weltuntergang. einen unnötigen druck brauchen wir uns da nicht zu machen. es gibt noch viel mehr müll, den wir auch bei einem zero waste lebensstil im laufe unseres lebens produzieren, seien es kaputte geräte oder haushaltszeug, welche nicht mehr reparierbar sind und irgendwann auf den müll kommt.

  2. Es fällt auch hier viel Einwegglas an. Aber auch noch relativ viel Plastik. Manche Dinge gibt es schlicht nich ohne, wenn man nicht auf „alles“ verzichten möchte oder es selbst macht. Wegen der Ohrstöpsel: Vor bald acht Jahren habe ich etwas Geld in die Hand genommen und mir welche anpassen lassen. Sind aus Silikon vom Hörgeräteakustiker.
    PS: Habe heute „die große Plastikmüllschau“ auf meinem Blog. Freue mich über jeden neuen Vermeidungstipp.

  3. Ich habe die Hormone nicht mehr vertagen und musste eine alternative finden. Ich bin schlussendlich beim LadyComp hängengeblieben. Der ist einfach in der Handhabung und so sicher wie die Pille! Zwar aus Kunststoff aber der hält ewig!

  4. Hey,
    ich habe auch gerade das Toilettenpapier Satino Black bei Stückgut gekauft. Wobei ich 2,20 Euro pro Rolle etwas überteuert finde. Es ist zwar mehr Papier drauf, trotzdem ein stolzer Preis. Bei mir besteht der meiste Müll noch aus Taschentüchern. Ich wollte mir Stofftaschentücher besorgen. (Mein Opa hatte früher auch welche und ich habe ihn damals belächelt.) Leider habe ich aber eine chronische Nebenhöhlenentzündung und damit muss ich so viel schnauben, dass die Taschentücher nach 2x voll sind. Daher versuche ich das erstmal etwas in den Griff zu bekommen.
    Zur Verhütung habe ich seit ca. 2 Monaten eine Kupferspirale. Ich kann dir von hormoneller Verhütung nur dringend abraten. Ich habe mich intensiver mit dem Thema auseinander gesetzt. Die Tabletten sind auch auf eine gewisse Art und Weise Müll für den Körper mit den etlichen Nebenwirkungen. Seitdem ich die Pille vor ca. 6 Jahren abgesetzt habe, geht es mir auch viel besser.
    Ich denke aber, wir sind schon auf dem richtigen Weg, wenn wir einfach versuchen möglichst wenig Müll zu produzieren und somit als Vorbild vorangehen. Es muss ja nicht Zero-Waste sein.
    Toll, dass ich auf euren Blog gestoßen bin, werde noch ein bisschen stöbern.
    Viele Grüße
    Lisa Theresa

  5. Hallo Leute, hier ein Tipp für Kopfschmerztabletten im Glas – gibt’s von Dolormin; und in Sachen dekorative Kosmetik muss ich euch unbedingt die Firma Couleur caramel empfehlen! Gibt es z.B. bei purissima in der Hoheluftchaussee. Die Produkte sind von sehr guter Qualität, fast nur in Papier verpackt und vor allem die Mascara ist fantastisch!
    Liebe Grüße
    Iwona

  6. Ich musste gerade herzlich lachen, als ich das mit den nicht auffindbaren Kopfschmerztabletten im Glas gelesen habe. Habt ihr schon mal was von Globulis gehört, die helfen nicht nur gegen Kopfschmerzen, gegen Regelschmerzen, Fieber usw und sind grundsätzlich in Glasfläschchen, außerdem gibt es Wickel und Tees. Also da muss ich mich schon sehr wundern, dass bis hier her die Alternative Medizin noch nicht durchgedrungen ist. Da macht ihr euch über jeglichen Müll Gedanken, aber futtert fleißig diesen (meist) absolut vermeidbaren Müll in den eigenen Körper.
    Macht euch schlau, es lohnt sich!
    Und PS: wenn Frau ihren Körper kennt, kann sie auch auf die Pille verzichten und andere Zeichen ihres Körpers lesen lernen, denn es gibt sie tatsächlich, die unfruchtbaren Zeiten im Zyklus einer Frau.

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