Wie man eine (möglichst) nachhaltige Hochzeit feiert

Veröffentlicht am Autor Luise6 Kommentare
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Wie der ein oder andere vielleicht schon mitbekommen hat, haben wir dieses Jahr geheiratet. Bei der Planung unserer Hochzeit war es uns natürlich wie auch sonst im Leben sehr wichtig, diese möglichst nachhaltig und müllfrei zu gestalten. Wir konnten uns dabei schon von einigen Hochzeiten wie der von Olga von Zero Waste Lifestyle vor einigen Jahren inspirieren lassen, wollten das ganze aber dann doch nicht ganz so minimalistisch wie sie angehen. Was dabei rausgekommen ist, haben wir euch mal in diesem Blogpost zusammengefasst. Größtenteils waren wir recht zufrieden, haben zugegebenermaßen aber doch wenige kleinere nicht ganz so nachhaltige „Ausrutscher“ in Kauf genommen – sowohl durch uns, als auch durch unsere Gäste. Aber fangen wir an:

 

Save the dates/Einladungen

Am Anfang jeder Hochzeit stehen die Save the date bzw. Einladungskarten. Die naheliegendste Müllvermeidungsstrategie ist sicherlich beides digital zu verschicken. Wir haben uns beim Save the Date auch dazu entschieden, dies zu tun. Es gibt einige tolle kostenlose Anbieter, bei denen man eigene Entwürfe erstellen und als PDF speichern kann. Die richtigen Einladungen wollten wir dann aber doch in gedruckter Form verschicken, da wir einige Gäste hatten, die nicht mehr ganz zur internetaffinen Generation zählen und wir es ehrlich gesagt auch einfach schöner fanden. Die Karten haben wir komplett selbst gebastelt und dafür nur FSC-zertifiziertes Recyclingpapier verwendet.

 

 

(Grafik: Trashless Society, Foto: Johannes Bouchain)

 

Die Location

Für unsere freie Trauung mit anschließender Feier haben wir uns das Haus Anna Elbe ausgesucht. Das denkmalgeschütze Reetdachhaus liegt an der Elbe mitten in den Hamburger Vier- und Marschlanden. Das Haus wurde letztes Jahr aufwändig saniert, dabei haben die Eigentümer auch viel Wert auf Upcycling und Wiederverwendung von alten Sachen gelegt. So wurde die Bar im Gastraum beispielsweise aus alten aussortierten Türen gebaut. Da wir uns eine eher ländliche, rustikale Hochzeit gewünscht haben, entsprach diese Location natürlich genau unseren Vorstellungen. Die Abgelegenheit hatte natürlich auch gewisse Nachteile – die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln war ziemlich mühselig, wurde aber dennoch von einigen gewagt. Da der Großteil unserer Gäste allerdings sowieso nicht aus Hamburg angereist ist und in jedem Fall das Auto genommen hätte, hat dieser Aspekt letztendlich auch keine besonders große Rolle für uns gespielt. Wir selbst mussten uns für das Wochenende auch über Carsharing ein Auto leihen, da wir unglaublich viel Dekokram, unsere Outfits und alles mögliche an anderem Zeug transportieren mussten.

 

  

(Fotos: Hauke Welp)

 

Dekoration

Das Thema Dekoration ist wohl das mit dem größten Potential bezüglich einer nachhaltigen Gestaltung. Grundsätzlich haben wir drei Möglichkeiten genutzt, möglichst nachhaltig an Deko zu kommen: Ausleihen, Second Hand kaufen und aus nachhaltigen Materialien selber machen/upcyceln.

 

(Foto: Hauke Welp)

 

Einen großen Teil unserer Dekoration haben wir uns geliehen. Da die Location leider nicht ausreichend Gartenmöbel zur Verfügung stellen konnte, haben wir uns Stühle und Cafétische bei einem Eventdienstleister in der Nähe des Veranstaltungsortes ausgeliehen. Für spezielle Hochzeitsdeko gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Anbietern, die schöne Sachen verleihen. Unseren Makramee-Traubogen und noch einige andere Sachen haben wir uns bei VR Weddings ausgeliehen.

 

 

(Fotos: Hauke Welp)

 

Eine ganz tolle Fundgrube für Second Hand Hochzeitsdeko war zum einen Ebay Kleinanzeigen sowie diverse entsprechende Gruppen auf Facebook wie Liebe zur Hochzeit oder Second Hand Wedding Decorations. Das schöne ist, dass wir über diese Plattformen auch bereits 90 Prozent unserer Deko wieder verkauft haben.

Als Entertainment für unsere Gäste wollten wir einige Gartenspiele wie Wikingerschach, Hula Hoop und Dosenwerfen anbieten. Das Wikingerschach konnten wir von meinen Eltern leihen, den Rest haben wir günstig über Ebay Kleinanzeigen gekauft.

 

(Fotos: Hauke Welp)

 

Passend zur Location wollten wir dem ganzen einen rustikalen Touch geben und haben uns vom Bauern um die Ecke Heuballen besorgt, um damit einige gemütliche Ecken einzurichten. Die Decken sind Second Hand Bettwäsche, die wir über Ebay Kleinanzeigen gekauft haben, die Kissen hatten wir geliehen.

 

(Foto: Hauke Welp)

 

Wie anfänglich geschrieben, hat das Haus Anna Elbe einen umfangreichen Sanierungsprozess hinter sich und hatte in dem Zuge auch noch ein kleines Lager mit alten Bauteilen. So konnten wir alte Fensterscheiben zu einem Sitzplan upcyceln und auch alte Kisten und Wannen als Teile unserer Deko nutzen.

 

(Foto: Hauke Welp)

 

Blumen

Unsere Blumen haben wir von einer Gärtnerei um die Ecke unserer Location bezogen, die wir darum gebeten haben, möglichst regionale und saisonale Blumen zu verwenden. Sämtliche „Vasen“ bestanden aus Gläsern unserer Altglassammlung des letzten Jahres.

 

(Foto: Hauke Welp)

 

Auch für die Tischdeko haben wir auf unsere Altglas-Vasen zurückgegriffen, die Holzscheiben-Untersetzer hatten wir von Ebay Kleinanzeigen.

 

(Foto: Hauke Welp)

 

Meinen Blumenstrauß habe ich mir extra getrocknet anfertigen lassen, zum einen weil es ein schöner Vintage-Look ist, der gut zu unserem Konzept gepasst hat, zum anderen, da ich ihn nach der Hochzeit einfach zuhause in eine Vase stellen konnte und mich nun noch lange daran erfreuen kann.

 

(Foto: Hauke Welp)

 

Outfits

Kommen wir nun zu einem Thema, das am wenigsten gut geklappt hat – unsere Outfits. Ich hatte mir fest vorgenommen ein Second Hand Brautkleid zu kaufen. Monatelang habe ich Ebay Kleinanzeigen, Kleiderkreisel und die ganzen Facebook-Hochzeitsgruppen durchforstet, aber ich bin einfach nicht fündig geworden. Es gibt dort zwar Millionen von Angeboten, wenn man aber ein Kleid haben möchte, dass nicht ganz dem Mainstream entspricht und die eigenen Körpermaße dann auch nicht ganz normiert sind, bleibt leider nicht viel übrig. Für ein nachhaltiges Fairtrade-Kleid aus Bio-Baumwolle hat das Budget leider auch nicht ganz gereicht. So muss ich leider gestehen, dass ich ein Kleid getragen habe, dass ich im Onlineshop einer Fast Fashion Firma gekauft habe (shame on me). Immerhin versuche ich wiederum dieses Kleid noch einmal an die Frau zu bringen, so dass es nicht für einmal tragen nun den Rest seines Daseins in meinem Kleiderschrank fristen muss.

Christoph hatte mit seinem Outfit ähnliche Probleme. Bei seiner Körpergröße und Statur war es wirklich unmöglich einen passenden Anzug Second Hand zu finden, daher hat er sich auch einen neuen kaufen müssen. Er hat dafür aber ein Modell gewählt, dass er auch später mal bei anderen Veranstaltungen oder arbeitsbezogenen Anlässen tragen kann.

 

(Foto: Hauke Welp)

 

Bei den Accessoires hatten wir dann schon etwas mehr Glück. Meine Chucks habe ich Second Hand bei Kleiderkreisel gekauft, Christophs Manschettenknöpfe aus Holz waren auch von dort. Seinen Gürtel und seine Schuhe hat er zwar neu gekauft, diese sind aber zumindest aus veganem Leder und auch nach der Hochzeit noch gut tragbar.

 

(Foto: Hauke Welp)

 

Make-Up

Im Alltag trage ich kaum Make-Up, für die Hochzeit wollte ich dann aber doch nicht ganz nackt im Gesicht rumlaufen. Zum Glück ist an meiner Stiefschwester eine Visagistin verloren gegangen, die sich mir angenommen hat. Da ihre Make-Up Sammlung mit dem Sortiment einer Douglas-Filiale fast mithalten kann, musste ich mir kaum etwas neues kaufen. Lediglich ein neuer Lippenstift und ein Nagellack mussten es dann doch sein. Hier war es mir besonders wichtig, möglichst nachhaltige und vegane Produkte zu kaufen. Der Lippenstift ist von BAIMS, eine Naturkosmetikmarke, die ohne Tierversuche arbeitet. Die Verpackungen sind so plastikfrei wie möglich gestaltet und es gibt sogar Nachfülloptionen für deren Kosmetikprodukte.

Der Nagellack ist von Sienna, einer australischen Firma, die vegane Lacke herstellt, die auf die typischen toxischen Chemikalien verzichtet, die in konventionellen Nagellacken enthalten sind.

 

(Foto: Trashless Society)

 

Ringe

Leider hatten wir keine tollen Erbstücke in der Familie die wir als Eheringe hätten nehmen können. Und auch Second Hand Eheringe schienen uns nicht besonders geeignet zu sein…  Daher haben wir uns dazu entschieden, unsere Ringe aus fair gehandeltem Silber von einem kleinen Atelier bei uns um die Ecke fertig zu lassen.

 

(Foto: Hauke Welp)

 

Gastgeschenke

Natürlich wollten wir unseren Gästen auch ein kleines Geschenk als Erinnerung an unseren besonderen Tag mitgeben. Wir haben uns für selbstgemachte Samenbomben entschieden, die wir mit bienenfreundlichen Wildblumensamen befüllt haben. Die kleinen Kartons sind aus recyceltem Papier und Restbestände der Aufkleber konnte ich einer anderen Braut in einer der Hochzeitsgruppen auf Facebook abkaufen.

 

(Foto: Hauke Welp)

 

Konfetti

Oft werden auf Hochzeiten diese kleinen Seifenblasenröhrchen aus Plastik verteilt, damit die Gäste das Hochzeitspaar nach der Trauung gebührend in Empfang nehmen kann. Das wollten wir natürlich nicht, und haben daher aus Recyclingpapier kleine Tütchen gebastelt, die wir mit getrockneten Blüten gefüllt haben. So konnten wir unseren Gästen biologisch abbaubares Konfetti anbieten. Leider hat das nicht verhindert, dass unsere Gäste selbstständig zusätzlich noch die erwähnten Plastikröhrchen mit den Seifenblasen verteilt haben…

 

(Foto: Hauke Welp)

 

Candy Bar

Zugegebenermaßen sind wir dem ein oder anderen Trend gefolgt und wollten auch unbedingt eine Candybar haben. Im Nachhinein hat sich das auch als besonders gute Entscheidung herausgestellt, da unsere Torte durch einen Transportunfall eine ganze Etage verloren hat…

Die Leiter für die Candy Bar haben wir uns geliehen, Schaufel und Zangen für die Süßigkeiten und die Tafel haben wir Second Hand gekauft. Die Gläser, in denen wir die Süßigkeiten und Knabbereien aufbewahrt haben, waren ganz normale Vorratsgläser, die wir zuhause zur Lebensmittelaufbewahrung nutzen. Den Inhalt haben wir unverpackt im Stückgut eingekauft. Normalerweise füllen sich die Gäste die Süßigkeiten in kleine Plastik- oder Papiertüten ab, wir haben hier wieder unsere Altglassammlung bemüht und viele kleine Gläser zum Abfüllen bereit gestellt.

 

(Foto: Hauke Welp)

 

Torte

Wir haben uns für eine vegane Torte ohne viel Schnickschnack (Unmengen an Fondant etc.) und saisonalen Früchten entschieden. Wie bereits erwähnt, hatte die Torte leider einen kleinen Unfall, das hat dem Geschmack aber keinen Abbruch getan.

 

(Foto: Hauke Welp)

 

Getränke

Plastikflaschen sind für uns natürlich nicht in Frage gekommen, daher waren alle angebotenen Getränke in (Mehrweg-)Glasflaschen abgefüllt. Darüber hinaus haben wir versucht so gut wie möglich regionale Firmen zu unterstützen (z.B. Fritz Kola, Lütauer und Ratsherrn).

 

Buffet

Veganes Essen war uns bei unserer Hochzeit besonders wichtig. Gerade an einem Tag, an dem es um Liebe geht, wollten wir erst Recht kein Tierleid unterstützen. Davon abgesehen gibt es wohl kaum etwas, mit dem man seinen CO2-Fußabdruck stärker reduzieren könnte, als mit einer pflanzlichen Ernährung. Daher sollte dieses Thema bei jeder nachhaltigen Hochzeit berücksichtigt werden. Der vegane Caterer Alohachérie hat uns ein unglaublich leckeres Buffet organisiert, das wirklich allen geschmeckt hat. Selbst der größte Veganskeptiker unter unseren Gästen fand es zumindest „interessant“.

 

  

(Fotos: Hauke Welp)

 

Geschenke

Zu guter Letzt gehören zu (fast) jeder Hochzeit auch Geschenke. Wie wahrscheinlich viele andere haben wir uns Geld gewünscht (so eine Hochzeit ist dann doch teurer als man anfangs so denkt…). Dieser Wunsch wurde uns von den allermeisten Gästen auch erfüllt, darüber hinaus haben wir aber auch noch einige andere Geschenke bekommen, gegen die man aus Nachhaltigkeitssicht nichts sagen kann und über die wir uns sehr gefreut haben. Darunter waren unter anderem ein Saisongarten, ein verlängertes Wochenende im familieneigenen Ferienhaus an der Nordsee, ein antiquarisches Buch mit besonderer Bedeutung und nicht zuletzt viele tolle musikalische Einlagen. Einige wenige in Plastikfolien verpackte Geschenke haben wir aber dennoch bekommen…

 

Fazit

Sicher ist nicht alles zu hundert Prozent so gelaufen, wie wir es uns ursprünglich überlegt haben und einige Punkte wie unsere Outfits hätten wirklich nachhaltiger sein können. Im großen und ganzen sind wir aber sehr zufrieden damit, wie wir den Tag gestaltet haben und haben für uns genau die richtige Balance zwischen Nachhaltigkeit und unserer Traumhochzeit gefunden.

 

 

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6 Kommentare zu Wie man eine (möglichst) nachhaltige Hochzeit feiert

  1. Danke für diese wunderbare Sammlung an Anregungen <3 Und danke für diesen Augenschmaus – das sind wunderschöne Eindrücke einer sehr stimmigen Hochzeit!
    Alles Liebe euch beiden,
    Maria

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