Zero Waste einkaufen ohne Unverpackt-Laden

Veröffentlicht am Autor Luise Hinterlasse einen Kommentar

Momentan hat man das Gefühl, dass jede Woche ein neuer Unverpackt-Laden aufmacht. Diese Entwicklung finden wir natürlich unglaublich toll. Uns ist aber durchaus bewusst, dass nicht jeder die Möglichkeit hat, in einem Unverpackt-Laden einzukaufen, in einigen Regionen gibt es durchaus noch großes Ausbaupotential!

Nichtsdestotrotz gibt es viele verschiedene Möglichkeiten verpackungs- oder zumindestens plastikfrei einzukaufen, die wir euch in diesem Artikel vorstellen möchten.

 

Wochenmarkt

In den meisten normalen Supermärkten hat man oft die Wahl zwischen unverpacktem Obst und Gemüse aus konventionellem Anbau oder der eingeschweißten Bio-Salatgurke. Aber auch bei den konventionellen Produkten gibt es viel nur in Plastikfolie.

Auf Wochenmärkten sind die Waren in der Regel völlig unverpackt, auch Spinat oder Rukola findet man hier oft lose. Für Kleinteiliges wie Champignons oder auch Beeren kann man sich eigene Beutel oder Dosen mitbringen.

An Frischetheken in Supermärkten herrscht in der Regel große Unsicherheit, ob Wurst und Käse in die mitgebrachten Behältnisse der Kunden gepackt werden dürfen, daher wird dieser Wunsch oft abgelehnt. Auf Wochenmärkten, vor allem auf Öko-Wochenmärkten sind die Händler meistens wesentlich aufgeschlossener – wir hatten damit jedenfalls noch nie Probleme.

Abgesehen von den klassischen Waren eines Wochenmarktes findet man darüber hinaus manchmal auch kleine Zero Waste Perlen. Wir haben in Hamburg schon Marktstände gesehen, die offen Nüsse und Trockenfrüchte, Kekse und Bonbons verkaufen. Zudem haben wir einen Händler gefunden, der frisch vor Ort Öle presst und abfüllt und einen, bei dem es sogar Kefir im Pfandglas gibt.

Regelmäßig stattfindende Wochenmärkte findet ihr in der Regel auf der Internetseite eurer Stadt oder Gemeinde. In unserer Zero Waste Karte für Hamburg findet ihr eine Auflistung aller Öko-Wochenmärkte in Hamburg.

 

(Foto: CC0 / Pexels /Stokpic)

 

Bauernhöfe/Mühlen/Milchtankstellen

Gerade diejenigen, die eher ländlich wohnen, haben teilweise noch ganz andere Möglichkeiten als die (Groß-)Städter. Bestimmt gibt es in der Nähe Bauernhöfe mit Direktverkauf oder möglicherweise ja auch eine Mühle, bei der man anfragen könnte, ob man sich dort Mehl selber abfüllen kann.

In letzter Zeit ist auch das Konzept der Milchtankstellen immer bekannter geworden. Bauern aus der Umgebung bieten ihre Milch an den Automaten an. Dort kann sich jeder soviel abfüllen, wie benötigt wird. Die Milchtankstellen sind eher in ländlichen Regionen zu finden, eine Übersicht gibt es hier.

 

(Foto: CC0 / Pixabay /lapping)

 

Internationale Läden

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man in türkischen oder persischen Läden oft Nüsse, Samen, Trocken- und Hülsenfrüchte lose findet. Die kleinen Flattertüten aus Plastik ignorieren wir einfach und benutzen unsere eigenen Beutel.

Auch in asiatischen Läden wird man schnell fündig. Hier haben wir schon große Reissäcke gesehen, aus denen man sich etwas abfüllen kann und wenn man Glück hat, gibt es sogar eine Frischetheke, an der offen Tofu verkauft wird.

 

(Foto: Trashless Society)

 

Bäcker

Wenn man das Glück hat, noch einen richtigen Bäcker mit angeschlossener Backstube vor Ort zu haben, kann man dort versuchen, Backzutaten wie Mehl, Backpulver, Kakao oder Hefe zu bekommen. Einfach hingehen und nett fragen, ob die Bäckerei einem etwas davon in mitgebrachte Behälter verkaufen würde.

Davon abgesehen bekommt man eigentlich bei jedem Bäcker Brot und Brötchen in seinen eigenen Beutel und Kuchen in seine mitgebrachte Dose.

 

(Foto: CC0 / Pexels /Skitterphoto)

 

Restaurants

Der Italiener um die Ecke macht die besten Nudeln überhaupt?  Dann traut euch und fragt, ob sie euch frische Nudeln auch zum Mitnehmen in eure Dose verkaufen würden. Wenn man ein bisschen kreativ ist, tun sich viele Möglichkeiten auf!

 

Apotheke

Wer noch eine richtige Traditionsapotheke vor Ort hat, die einige Medikamente und Salben selber herstellt, könnte dort mit etwas Glück Natron, Zitronensäure, verschiedene Öle und anderes zum selber abfüllen bekommen.

 

(Foto: CC0 / Pixabay /FotoArt-Treu)

 

Selber machen

Hummus gibt es nur im Plastikbecher, Brühwürfel nur in Alufolie und Soja-Milch nur im Tetra-Pak? All diese Dinge kann man auch selber mit frischen Zutaten herstellen. Neben der Müllersparnis habt ihr auch noch die volle Kontrolle über die Inhaltsstoffe eurer Produkte.

Unsere Lieblings-Quellen für tolle Rezepte sind Smarticular, EatSmarter und Projekt: Gesund Leben. Außerdem veröffentlichen wir selbst regelmäßig unsere Lieblingsrezepte auf unserem Blog.

 

Mehrweg-Glas

Manchmal bekommt man nicht alles, was man braucht, komplett verpackungsfrei. Lebensmittel in Mehrweg-Gläsern sind dann eine gute und ökologisch sinnvolle Alternative.

Milch hat wahrscheinlich jeder schon mal im Glas gesehen, aber das ist noch lange nicht alles. Wir haben bisher auch Sahne (aus der man ja auch Butter machen kann), Natur- und Fruchtjoghurt, Quark, Kefir, Saure Sahne, Buttermilch und Schokopudding im Pfandglas gesehen. All das kann man zum Teil im normalen Supermarkt, in Bio-Supermärkten, in kleinen Bioläden und Reformhäusern, im Feinkostgeschäft, im Hofladen oder auf dem Wochenmarkt finden.

 

(Foto: Trashless Society)

 

Glas-/Papierverpackung

Falls wir etwas partout nicht unverpackt bekommen, würden wir ein Produkt in (Einweg-)Glas oder Papier verpackt immer einem Produkt in Plastikverpackung vorziehen. In diesem Fall wird dann gern mal angebracht, dass die Energiebilanz von Plastik teilweise besser ist als von Glas und Papier. In der Tat verbraucht das Recycling von Glas mehr Energie als das von Plastik, da höhere Temperaturen notwendig sind. Diese Aussage beleuchtet aus unserer Sicht aber nicht alle Aspekte des Problems. Zum einen ist die Recyclingquote bei Glas und Papier wesentlich höher als von Plastik, zum anderen sind in Plastik chemische Stoffe wie Weichmacher enthalten, die sich negativ auf unsere Gesundheit auswirken können. Es sollten also unbedingt weitere Faktoren in die Diskussion mit einbezogen werden.

Zudem werden gerade Einweg-Gläser bei uns in der Regel nicht nur einmal benutzt. Wir bewahren sie oft auf, entweder um darin Smoothies und Suppen einzufrieren, den Frühstücksbrei mit ins Büro zu nehmen, unseren Einkauf aus dem Unverpackt-Laden darin zu transportieren und aufzubewahren oder auch um selbstgemachte Aufstriche und Marmelade darin einzukochen.

 

(Foto: CC0 / Pixabay /jarmoluk)

 

Online

Online-Bestellungen und Zero Waste scheinen auf den ersten Blick erstmal nicht wirklich gut zusammenzupassen. Für uns ist das entscheidende, dass man Produkte idealerweise in Papier und Glas verpackt und in so großen Einheiten wie möglich kauft. Denn wenn man mal ehrlich ist, ob der Unverpackt-Laden einen Papiersack mit 25kg Haferflocken bestellt und in seine Spender umfüllt oder ihr den in eurer Speisekammer stehen habt, macht vielleicht keinen so großen Unterschied. Natürlich hat nicht jeder Platz für so große Mengen, aber vielleicht gibt es ja auch Nachbarn oder Freunde mit denen ihr euch für eine Großbestellung zusammenschließen könnt? Ein netter Nebeneffekt: je größer die Bestellmenge umso günstiger der Preis – das kann sich gerade bei Bio-Lebensmitteln schnell lohnen.

Unsere Lieblings-Onlineshops für Lebensmittel sind diese:

  • Hinterauer: u.a. Öle, Essig, Nüsse, Nussmuse, Datteln, Reis, Hülsenfrüchte, Natron, Zitronensäure
  • Mein Müsli Laden: u.a. Müsli, Flocken, Nüsse, Reis, Hülsenfrüchte,
  • Bio Gewinner: u.a. Getreide, Mehl, Reis, Hülsenfrüchte, Nüsse, Nussmuse, Trockenfrüchte, Nudeln

Bei allen Shops am besten bei der Bestellung noch zusätzlich das Stichwort „plastikfreier Versand“ angeben.

(Foto: Trashless Society)

 

Fazit

Wir hoffen, dass wir euch zeigen konnten, dass es auch ohne Unverpackt-Laden in der Nähe viele Möglichkeiten gibt, Zero Waste bzw. müll- und plastikfrei einzukaufen.

Uns ist es aber ganz wichtig nochmal zu betonen, dass Zero Waste kein Alles-oder-Nichts-Konzept ist. Auch wenn ihr bei dem ein oder anderen Produkt vielleicht noch an eure Grenzen stoßt und es weiterhin verpackt kauft, solltet ihr euch deswegen nicht schlecht fühlen – niemand ist perfekt. Wir sind uns sicher, dass die meisten von euch schon an ganz vielen Ecken Müll sparen und das Konzept Zero Waste in der Familie und im Freundes- und Bekanntenkreis verbreiten. Damit ist auch schon ganz viel gewonnen!

 

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