7 Tipps um Lebensmittelverschwendung zu stoppen

Veröffentlicht am Autor Luise Hinterlasse einen Kommentar

Jedes Jahr landen allein in Deutschland 18 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Das entspricht einem Verkehrswert von etwa 25 Milliarden Euro! Schuld daran sind irgendwie alle: die Produzenten, die krummes Gemüse auf dem Feld verrotten lassen, die Restaurants, die übriggebliebene Mahlzeiten wegwerfen und der Verbraucher, der die in der hintersten Kühlschrankecke vergessenen Erdbeeren verschimmeln lässt – um nur einige Beispiele zu nennen.

 

Das hier eine unglaubliche Ressourcen- und Geldverschwendung passiert, ist wahrscheinlich jedem klar. Aber was kann man als einzelner dagegen tun? Wir haben euch 7 praxistaugliche Tipps zusammengestellt, die euch dabei helfen können, im Alltag Lebensmittelverschwendung zu vermeiden:

 

Nur so viel kaufen wie man braucht

Unser erster Tipp klingt für die meisten wahrscheinlich recht logisch – wer nur soviel einkauft, wie er verbraucht, muss auch nichts wegwerfen. In der Praxis ist das oftmals aber gar nicht so einfach umzusetzen. Vor allem Singlehaushalte die in Supermärkten regelmäßig mit Großpackungen konfrontiert sind – ob das nun die große Schale Spinat oder der 2kg-Kartoffelsack ist – müssen oftmals mehr wegwerfen, als ihnen lieb ist.

Die Lösung ist ganz einfach und spart nebenbei auch noch eine Menge an Verpackungsmüll: bedarfsgerechtes Einkaufen auf dem Wochenmarkt und im Unverpackt-Laden. Auf dem Wochenmarkt kann man eigentlich jedes Obst und Gemüse aber auch Salate und Kräuter in genau der Menge kaufen, die man tatsächlich braucht. Im Unverpackt-Laden oder anderen Läden mit Abfüllstationen kann man sich Nudeln, Reis und Müsli in der benötigten Menge abfüllen lassen.

 

(Foto: CC0 / Unsplash /ja_ma)

 

Mindesthaltbarkeitsdatum nicht überbewerten

Das Mindeshaltbarkeitsdatum gibt – wie der Name vermuten lässt – das Datum an, bis zu dem ein Lebensmittel mindestens haltbar ist. Ab diesem Datum kann das Lebensmittel zwar an Aroma verlieren oder es kann sich die Konsistenz leicht ändern, schlecht ist es dadurch in der Regel noch lange nicht. Hier sollte man sich am besten auf seine Sinne verlassen: sieht, riecht oder schmeckt das Lebensmittel schlecht? Dann weg damit. Kann man diese Fragen mit nein beantworten, sollte man sich von einem abgelaufenen Mindesthaltbarkeitsdatum nicht abschrecken lassen. Anders sieht es bei der Angabe eines Verzehrdatums aus, das vor allem auf sensiblen Lebensmitteln wie Fleisch oder Fisch angegeben ist. Dieses gibt an, bis wann das Lebensmittel spätestens verzehrt werden sollte, diese Empfehlung sollte unbedingt eingehalten werden.

Greenpeace hat dieses Jahr in einem Langzeittest verschiedene Lebensmittel auf den Prüfstand genommen und getestet, wie lange diese nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch genießbar waren. Das erstaunliche Ergebnis: die meisten Lebensmittel waren noch Wochen später nicht verdorben und der getestete Joghurt sogar 6 Monate nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch in Ordnung!

 

(Foto: Greenpeace.at)

 

Korrekte Lagerung

Die richtige Lagerung von Lebensmitteln kann auch dazu beitragen, deren Haltbarkeit siginfikant zu verlängern. Im Kühlschrank gibt es verschiedene Kühlzonen, die auch entsprechend genutzt werden sollten. In die Gemüseschublade, die im Kühlschrank ganz unten zu finden ist, kommt – logischerweise – das Gemüse. Direkt darüber ist mit 2-3 Grad die kälteste Zone im Kühlschrank, hier sollten besonders sensible Produkte wie Fleisch und Fisch lagern. Im mittleren Fach steigt die Temperatur auf etwa 5 Grad, hier ist der ideale Ort für Milchprodukte wie Käse, Quark und Joghurt. Im obersten Fach ist es mit 8-10 Grad am wärmsten, hier können weniger empfindliche Lebensmittel wie Marmelade oder Reste von zubereiteten Speisen aufbewahrt werden. In der Kühlschranktür sind Eier, Butter, Saucen und Getränke am besten aufgehoben.

Einige Lebensmittel gehören nicht in den Kühlschrank, landen aber aus Unwissenheit viel zu oft dort. Dazu gehören unter anderem Zitrusfrüchte wie Zitronen und Orangen, Bananen, Äpfel, wasserhaltiges Gemüse wie Gurken und Tomaten, Kartoffeln oder auch Brot. Obst kann in der Regel einfach offen in einer Obstschale (Äpfel und Bananen getrennt voneinander!), Gemüse dunkel (z.B. in einer Speisekammer) und Brot in einem Brotkasten oder -topf aufbewahrt werden.

Trockenwaren wie Reis, Nudeln, Getreide oder Gewürze sollten in einem luftdichten Behältnis und dunkel gelagert werden.

 

(Foto: CC0 / Pixabay)

 

Foodsharing

Ihr habt noch eine halbe Lasagne im Kühlschrank stehen, die ihr einfach nicht mehr schafft? Der Kühlschrank ist noch halb voll, aber morgen beginnt der Urlaub? Ihr habt dieses Jahr zwei Tonnen Zucchini geerntet und wisst einfach nicht, wohin damit? Dann solltet ihr euch auf jeden Fall bei Foodsharing anmelden! Hier könnt ihr einen Warenkorb mit den Lebensmitteln, die ihr weggeben wollt, erstellen und im Idealfall holt sie jemand aus eurer Nähe ab, der sie noch gebrauchen kann. Foodsharing betreibt auch in einigen Städten so genannte Fairteiler. Dabei handelt es sich um feste Standorte an denen übriggebliebene Lebensmittel abgegeben und mitgenommen werden können. Zudem gibt es für einige Städte Facebook-Gruppen in denen Lebensmittel verteilt werden (z.B. Foodsharing Hamburg oder Lebensmittel teilen Hamburg).

 

Hässliches Obst und Gemüse kaufen

40 Prozent des Gemüses kommt nicht in den Handel, weil es nicht der Norm entspricht, sei es die Gurke, die nicht perfekt grade gewachsen ist, zwei ineinander verdrehte Mohrrüben oder zu kleine bzw. zu große Kartoffeln. Oftmals lassen die Bauern diese einfach direkt auf den Feldern verrotten, weil der Einzelhandel sie ihnen nicht abkaufen will.

Glücklicherweise entsteht gerade eine ernstzunehmende Gegenbewegung. So hat beispielsweise Etepetete das Konzept der Bio-Gemüsekiste aufgegriffen – liefert allerdings nur krummes und unverpacktes Gemüse. Selbst Discounter wie Penny unternehmen mittlerweile erste Ansätze unperfektes Obst und Gemüse zu verkaufen.

 

(Foto: Etepetete)

 

Apps gegen Lebensmittelverschwendung nutzen

 

Zu gut für die Tonne

Wer kennt das nicht – der Kühlschrank ist fast leer, aber kleine Reste von scheinbar nicht zusammenpassenden Lebensmitteln haben sich noch in der hintersten Ecke versteckt. Für dieses Problem hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die App Zu gut für die Tonne entwickelt. Das Prinzip ist einfach – ihr gebt einfach die noch vorhandenen Zutaten ein und die App schlägt euch kreative Rezepte vor. Zusätzlich beinhaltet die App noch Tipps zur richtigen Lagerung von Lebensmitteln und generell zur Abfallvermeidung.

 

ResQ Club

Die finnische App ResQ Club ist kürzlich mit dem deutschen Anbieter Mealsaver fusioniert und somit nun auch in deutschen Städten verfügbar. Hier wird vor allem die Lebensmittelverschwendung in Restaurants, Cafés und Bäckereien angegangen. Hier landen nämlich in der Regel nicht verkaufte Mahlzeiten nach Feierabend einfach in der Tonne. Mit Hilfe der App können diese nun aber einfach zu einem vergünstigten Preis abgegeben werden. Den Nutzern werden Restaurants in der Nähe angezeigt, von denen sie kurz vor Ladenschluss die übriggebliebenen Portionen für wenige Euro abholen können. Wer nett fragt, bekommt die Reste auch in mitgebrachte Dosen gelegt und kann so auch noch Verpackungsmüll sparen.

 

(Foto: ResQ Club)

 

To Good to Go

To Good to Go folgt dem gleichen Prinzip wie ResQ Club. Übriggebliebene Speisen können kurz vor Ladenschluss von ausgewählten Restaurants, Cafés und Bäckereien zu einem vergünstigten Preis abgeholt werden. Auch hier gilt: eigene Dosen mitbringen um Verpackungsmüll zu sparen!

 

Lebensmittelabfälle kreativ nutzen

Bei Lebensmitteln gilt: Abfall ist nicht gleich Abfall. Hier ein paar Beispiele, wie man Lebensmittelabfälle einer neuen Verwendung zuführen kann:

 

Peeling aus Kaffeesatz

Um ein Peeling herzustellen, vermischt man den Kaffeesatz einfach mit ein bisschen Öl wie z.B. Olivenöl. Das Peeling wird in kreisenden Bewegungen aufgetragen und dann abgewaschen. Besonders geeignet ist das Kaffeesatzpeeling bei Cellulite – auch in den meisten konventionellen Produkten steckt Koffein.

 

(Foto: CC0 / Unsplash /indyloto)

 

Brühe aus Gemüseresten

Karottenschalen, Pilzstiele oder Zwiebelenden – all das landet in der Regel im Biomüll. Man kann diese Reste allerdings auch sammeln und bei Bedarf eine Brühe daraus kochen. Dazu kann man die Reste einfach in einer Schale sammeln und einfrieren, so lange bis man genug zusammenhat. Für die Brühe eignen sich viele Gemüsereste nur von Kohlsorten (inkl. Brokkoli und Blumenkohl), Paprika und Spargel würden wir wegen dem intensiven Eigengemack und von Roter Beete wegen der kräftigen Färbung abraten.

 

Dünger aus Eierschalen

Eierschalen sind die ultimativen Nährstoffbomben. Neben Fluor, Kupfer, Eisen und Zink enthalten sie vor allem Kalk – eine Mischung, die Pflanzen besonders gern haben. Um die Nährstoffe optimal zu nutzen, sollte man die ausgewaschenen und getrockneten Schalen möglichst klein mahlen, z.B. mit einem Mörser. Die zerkleinerten Schalen von 1-2 Eiern werden für etwa 12 Stunden in einem Liter Wasser eingeweicht, so können sich die Nährstoffe optimal lösen. Gefiltert kann dieses Wasser nun (in Maßen) als Flüssigdünger verwendet werden.

 

(Foto: CC0 / Unsplash /Caroline Atwood)

 

Paniermehl/Semmelbrösel aus altem Brot

Wer kennt das nicht –  man hat es nicht rechtzeitig geschafft, das Brot zu verbrauchen und nun ist es steinhart und beim besten Willen nicht mehr essbar. Wenn das Brot oder die Brötchen richtig gut durchgetrocknet sind (bei Restfeuchte besteht Schimmelgefahr), kann man daraus ganz einfach Paniermehl herstellen. Dazu reibt man das harte Brot einfach mit einer Reibe fein oder zerkleinert es in einer Küchenmaschine. Die fertigen Brösel müssen dann luftdicht verpackt aufbewahrt werden.

 

Was noch?

Wer weiter in das Thema Lebensmittelverschwendung einsteigen möchte, dem möchten wir den Film Taste the Waste ans Herz legen.

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